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| Just for Fun: Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte. Die Biographie des Linux-Erfinders von , ,
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Neue Ökonomie: Intelligenz, Vernetzung und Reputation
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Rezension bezieht sich auf: Just for Fun - Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte (Taschenbuch) Zu den Leitwerten des Industriezeitalters gehörten "Zentralisierung", "Größe", Hierarchie", "Kontrolle" und "Planung". Nur unter diesen Bedingungen, so der feste Glaube, konnten Werte geschaffen (oder Kriege geführt) werden.
In den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts (jawoll!) gab es die Utopie der selbstverwalteten Betriebe und der selbstbestimmten Arbeit. Diese Ansätze gingen nach und nach in einem ideologieverseuchten Szenesumpf unter. Altdeutsche Naturtümelei und Technikfeindschaft, sozialistischer Dogmatismus und Gleichheitszwang beherrschten die Szene. Die trüben Reste kann man bei den Grünen besichtigen. Also alles Quatsch? Hat sich das Bewährte mal wieder bewährt? Wirklich Neues steht nicht in der Zeitung: Weit abseits der angeblichen Metropolen begann zu dieser Zeit eine Entwicklung, die es gar nicht geben konnte. Es wurde ein neues Produkt geschaffen, welches nach einer Entwicklungszeit von ca. 10 Jahren zu einer echten Weltmarke geworden ist. Das Produkt wird international kommerziell eingesetzt. Wahrscheinlich nutzen Sie es gerade, ohne es zu bemerken. Seine Qualität ist berühmt, und seine Verbreitung beeinflusst die Strategie von Weltkonzernen. Das Produkt gehört zum High-Tech-Sektor. Es ist hochkomplex und kann nur von wirklichen Spezialisten entwickelt werden.
O.k. Und was ist daran besonders? - Dies Produkt wird nicht von einer Firma hergestellt. - Die Weltmarke wird nicht von einer Marketingabteilung "geführt". - Niemand ist "verantwortlich". - Niemand gibt "Garantien". - Das Produkt kostet nichts. - Das Produkt ist kommerziell erfolgreich. Man kann damit Geld verdienen.
Ein absolutes Ding der Unmöglichkeit. Völlig utopisch. Träumerei. Geht nicht. Angeblich kontaktscheue, sozial isolierte "Computerhacker" arbeiten intensiv mit anderen Spezialisten mehr oder weniger umsonst und komplett freiwillig an extrem komplexen Produkten. Es wird international gearbeitet. Es gibt keinen institutionellen Rahmen. Die Ergebnisse stellen an Qualität und Funktionalität oft die industriell hergestellten Konkurrenzprodukte in den Schatten. Die Software aus diesem Umfeld, der sogenannten "Open Source"-Szene, stellt heute einen großen Teil der verwendeten Internetsoftware dar.
Nach "altindustrieller" Logik müssten diese Leute Idealisten (Klartext: Spinner) sein, die früher oder später "zur Vernunft" kommen oder verhungern. Tun sie aber nicht. Trotz der unbezahlten Arbeit kann man mit "Open Source" sehr ordentlich verdienen. Sogar an die Börse kommen. Das ist ein Wunder des Marktes: Durch den Erfolg der Software ist ein Markt entstanden, auf dem die Expertise wertvoll ist. Die Produkte werden nicht "geschützt", sondern verbreitet. Noch so ein Unding: Die Quelltexte, die eigentliche geistige Leistung, normalerweise geheimgehalten und der "heilige Gral" einer Softwarefirma, werden veröffentlicht und dürfen kopiert werden. Dem Verlust an der exklusiven Verwertung stehen aber die Vorteile der Verbreitung gegenüber: Der entstehende Markt bietet unvergleichlich mehr Verdienstmöglichkeiten, als es der eifersüchtige Schutz des "eigenen" Produkts je geschafft hätte.
Ich denke, diese Entwicklung ist etwas fundamental Neues. Hier wird wirklich der oft beschworene Anfang einer "postindustriellen" Wirtschaft sichtbar. Es zählen nicht Kapital, Grund und Boden, Maschinen oder die Unternehmensgröße. Es geht auch nicht, wie in der ehemaligen "Alternativszene", um Verweigern, Verhindern und Ideologie. Die entscheidenden Produktionsmittel sind "Intelligenz", "Vernetzung" und "Reputation". Es ist wohl eine Revolution. Nach den Manifesten gibt es nun die ersten Geschichtsbücher. Weil Revolutionen schnell sind, schreiben dann Dreißigjährige ihre Memoiren.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 14. Juli 2001 | | |
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